HR 2.0: Zwischen Purpose, Performance und Psychologie
Was bedeutet eigentlich «Well-being» im Job und warum reicht es nicht, einfach einen Obstkorb aufzustellen? Wer Mitarbeitende wirklich motivieren will, muss tiefer graben – in die Psyche, ins Portemonnaie und manchmal auch ins Herz. HRM wird zum Gefühlsmanagement, und das ist gut so, denn: Wer sich wohl fühlt, performt besser. Klingt logisch? Ist es auch – aber komplexer, als man denkt. Emotionale Intelligenz wird zur Schlüsselkompetenz moderner HR-Führungskräfte.
Als ich meine Bachelorarbeit zum Thema Wohlbefinden in der Managementforschung schrieb, war mir schnell klar: Was früher als Soft-Thema galt, ist heute ein harter Wettbewerbsfaktor und gehört in die Agenda der Unternehmensstrategie. Denn wer heute Mitarbeitende halten und motivieren will, muss mehr bieten als ergonomische Stühle und After-Work-Yoga.
Ich habe über 50 aktuelle Studien analysiert und festgestellt: Well-being ist ein komplexer, affektiver Zustand – eine Mischung aus hedonischem (gefühlsorientiertem) «Ich fühl mich gut» und eudaimonischem (prozessorientertem) «Ich weiss, wofür ich das hier mache». Es geht um Zufriedenheit, Gesundheit, Engagement – und ja, auch ums Geld. Denn finanzielle Sicherheit ist ein unterschätzter, aber zentraler Faktor für das Wohlbefinden.
Besonders spannend fand ich: Viele Studien sprechen über Well-being, ohne es wirklich zu definieren. Stattdessen wird mit Adjektiven jongliert – zufrieden, motiviert, gesund – aber was gehört wirklich dazu? Ich habe versucht, Ordnung ins Begriffschaos zu bringen und eine umfassendere Definition zu entwickeln. Spoiler: Stress, Erschöpfung und Burnout haben darin keinen Platz.
Für den HR-Bereich bedeutet das: Gefühle sind kein Soft Skill, sie sind ein Managementthema. Wer Well-being ernst nimmt, steigert nicht nur die Performance, sondern auch die Loyalität und Lebensqualität der Mitarbeitenden. Und das ist mehr als ein netter Nebeneffekt – das ist Zukunftssicherung.
von Lina Widmer
Angelehnt an die Bachelorarbeit von Lina Rebecca Widmer «What Does Well-Being Mean in Management Research»